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aus: "In Tirannos" oder der "beweineswerte König" - Die literarische Darstellung der Figur des Tyrannen, exemplarisch erörtert anhand von Sophokles' Antigone, Shakespeares Julius Caesar und Richard III., sowie Schillers Don Carlos, Maria Stuart und Wilhlem Tell
 
Autor: Monika Peuthert, M. A.
 
 
(...)
 
Die staatsrechtliche Form der Tyrannis mit dem Tyrannen als Herrscher war ein Phänomen des antiken Griechenlands.Tyrann war der Titel für denjenigen Alleinherrscher, der aufgrund vonUsurpation und nicht, wie beispielsweise ein König, aus dynastischen Gründen oder aufgrund von Volkswahl an die Macht gelangte. Da mit seiner Machtübernahme meist ein rechtlicher Umbruch stattfand, wurde der Begriff Tyrann zum Wesensmerkmal bei Staatsformen, denen de facto oder de jure ein Einziger vorstand, der eigentlich nicht als Herrscher vorgesehen war und der Altes durch Neues ersetzte. Nicht nur die staatsrechtliche Ausprägung, sondern auch der Aspekt des Verhaltens spielte bei der Qualifizierung eines Tyrannen eine Rolle, ohne dass dies von vornherein negativ konnotiert sein musste. Nicht jeder rechmäßige Inhaber einer Tyrannis musste sich zwangsläufig so verhalten, wie wir es heute von einem Tyrannen erwarten. Erst mit zunehmend negativen Erfahrungen, die die Untergebenen mit dem Alleinherrschern machten, mutierte die Titelbezeichnung zum negativen Merkmal der Herrschaftsausübung. Ebenso allmählich verschob sich auch die Akzentuierung von der staatsrechtlichen Seite hin zu der des Verhaltens. Damit ging einher, dass Tyrannen nun nicht nur in der politschen Sphäre zu finden waren, sondern überall dort, wo Menschen über andere Macht auszuüben vermochten. Was als staatsrechtlicher Titel begann, ist heute ein Begriff des Alltags, mit dem man diejenigen belegt, von denen man sich unterdrückt fühlt oder die andere unterdrücken. Die Begriffe Tyrann und tyrannisieren werden auch im zwischenmenschlichen Bereich gebraucht und synonym mit Despot und Diktator verwandt oder auch modern mit mobbing umschrieben. (...)
Diese Entwicklung kann man anhand der Literatur nachvollziehen. Mit Kreon haben wir den politischen Tyrannen untersucht, der als dynastisch rechtmäßiger König eigentlich kein Tyrann hätte sein müssen. Auch seine Absicht, sein Volk verantwortungsbewusst in friedliche Zeiten zu führen, deuteten nicht in diese Richtung. Was ihn zum Tyrannen werden ließ, war seine menschliche Hybris, mit der er sich Machtbefugnisse  anmaßte, die über seine wirklichen hinausgingen. Von steigender Verblendung immer weiter in den Wahn getrieben, seinen Willen mit allen Mitteln durchzusetzen, tyrannisierte er im wahrsten Sinne des Wortes mit seinem Verhalten seine Umgebung. Sein politscher Status begünstigte dies.
Auch in den übrigen Dramen der Untersuchung waren die Tyrannen politische Machthaber, die sich durch die Art und Weise der Ausübung ihres Amtes (beispielsweise Philipp II. oder Elisabeth), der Erlangung oder Erhaltung ihres Status (wie etwa Caesar, Brutus, Antonius oder Richard III.) als Tyrannen auszeichneten. (...)
Neben der staatsrechtlichen Ausprägung konnten wir bei allen Werken auch die Verbindung der Figur des Tyrannen mit seinem Menschsein verfolgen. Von Kreons Herrschermacht blieb nach seinem Sturz beispielsweise nur ein bedauernswerter, aber an Selbsterkenntis reicher, Mensch übrig. Auch die verschiedenen Tyrannen in Julius Caesar weisen menschliche Verhaltensweisen auf, die sie jedoch teils ihren Römertugenden und teils ihrer Herrscherrolle opfern. Ganz eklatant kommt das Opfer des Menschseins zugunsten der Herrscherrolle bei Philipp II. zum Ausdruck. Sein ganzes Leben lang vermochte er sein Menschsein zu unterdrücken, dass er durch seinen Status als König völlig absorbiert wurde. (...)
Elisabeth und Maria polarisieren ihre reziproken menschlichen Schwächen auf die Stärken der jeweils anderen. Die eigentliche Ursache ihres Zankes und ihrer gegenseitigen Unterdrückung liegt in dem eindimensionalen Ausleben ihrer Rolle als Frau. Dass sie den Status von Königinnen haben, begünstigt ihren Schlagabtausch und erweitert ihn in politische, religiöse und gesellschaftliche Dimensionen. Goethe hatte nicht Unrecht, als er sie "zwei zankende Fischweiber" nannte. Schlussendlich isoliert gerade Elisabeth in ihrer Rolle als König ihren inneren Kern als Menschen, während Maria auf dem Weg zu Hinrichtung im Rahmen allumfassenden Vergebungsbereitschaft ihr Menschsein entfaltet.
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